Standort-Schließungen gefährden Versorgungssituation im ländlichen Raum
Landrat Stephan Siefken unterstützt den Protest von Apotheken, die heute mit bundesweiten Aktionen auf die zunehmend schwierigen Rahmenbedingungen und Existenznöte aufmerksam machen – so auch in der Wesermarsch. Bei einem Besuch der Anker-Apotheke in Elsfleth bekräftigte er seine Forderung an die Bundes- und Landesregierungen, den Fortbestand von Apotheken im ländlichen Raum zu sichern. Damit greift Siefken eine Initiative aus dem Jahr 2023 wieder auf, mit der er auf die zunehmend angespannte Situation aufmerksam gemacht hatte. „Eine Verschlechterung der Situation und die drohende Schließung weiterer Apotheken-Standorte in der Wesermarsch muss vermieden werden“, betont Siefken. Schon jetzt sei die Versorgung in Teilen des Landkreises stark unter Druck geraten. Besonders kritisch sieht der Landrat die Situation im Notdienst: „Es ist nicht zumutbar, dass Patientinnen und Patienten teils 40 Kilometer zum nächsten Apotheken-Notdienst zurücklegen müssen, um Medikamente zu bekommen. Wir müssen vor allem für Menschen die Versorgungssicherheit gewährleisten, die in der Mobilität eingeschränkt sind.“ Eine verlässliche und wohnortnahe Versorgung mit Medikamenten ist für Siefken ein zentraler Bestandteil der Gesundheitsversorgung. In diesem Zusammenhang zeigt der Landrat Verständnis für Apothekenbetreiber, die heute mit Aktionen auf ihre prekäre Situation aufmerksam machen. „Die Anliegen der Apothekerinnen und Apotheker decken sich mit den Erfahrungen, die wir auch hier in der Wesermarsch machen“, so Siefken. Der Protest mache deutlich, dass es sich bei Existenznöten infolge von nicht auskömmlichen Vergütungen keineswegs um Einzelfälle, sondern um ein strukturelles Problem handele, das insbesondere den ländlichen Raum treffe.
Maike Maas-Bode, Inhaberin der Anker-Apotheke in Elsfleth, und ihr Mann Dr. Hartmut Bode bestätigen: „Wir haben in der Wesermarsch noch 15 Apotheken, wobei einige Betreiber schon weit über das Rentenalter hinaus sind.“ Es seien nicht nur Standorte aus wirtschaftlichen Gründen gefährdet, sondern auch weil Nachfolger fehlen. „Deshalb ist es umso wichtiger, einen Studiengang Pharmazie im Nordwesten anzubieten“, so Hartmut Bode. Der Landrat sieht in der Entwicklung eine Bestätigung seiner Initiative aus dem Jahr 2023, mit der er frühzeitig auf die Gefährdung der wohnortnahen Arzneimittelversorgung hingewiesen hatte. In einem Schreiben an Gesundheitsminister Andreas Philippi forderte Stephan Siefken seinerzeit die notwendige politische Unterstützung der Landesregierung ein. Der Minister hob in seiner Antwort hervor, dass der Einfluss auf die wirtschaftliche Situation von Apotheken begrenzt sei, sicherte jedoch seine Unterstützung zu.
Landrat Siefken untermauert: „Apotheken sind Teil der Daseinsvorsorge und zugleich ein wichtiger Standortfaktor. Deshalb dürfen wir mit unseren Bemühungen für die Standortsicherung nicht nachlassen.“ Gerade für Menschen, die darüber nachdenken, die Wesermarsch zu ihrem Lebensmittelpunkt zu machen, spiele eine funktionierende medizinische Infrastruktur eine entscheidende Rolle. „Wer gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land ernst nimmt, darf die Apotheken vor Ort nicht im Stich lassen. Der Protesttag ist ein wichtiges Signal an Bund und Länder, jetzt entschlossen zu handeln“, betont Siefken abschließend.
(pm/lr – Foto: Landkreis Wesermarsch/Meister)
Titelfoto: Landrat Stephan Siefken (l.) unterstützt den Protest der Apothekerinnen und Apotheker. Über die aktuelle Situation tauschte er sich am Montag mit Maike Maas-Bode und Hartmut Bode in Elsfleth aus.
